Atomkraft: Wetter soll sich einer Klage gegen die maroden Kernkraftwerke in Belgien anschließen

In Belgien, etwa 60 km westlich der Stadt Aachen, betreibt der Energiekonzern Electrabel das Atomkraftwerk Tihange. Dieses hat drei Blöcke. In Antwerpen betreibt Electrabel das Atomkraftwerk Doel mit vier Blöcken. In den letzten Jahren ist es in den beiden Anlagen zu einer Vielzahl von Störfällen gekommen:

Etliche Male mussten die verschiedenen Reaktoren infolge von Bränden, Ausfall von Pumpen und anderen Störfällen notfallmäßig abgeschaltet werden. Ein Abklingbecken in Tihange verliert seit Jahren radioaktives Wasser, ohne dass die Ursache geklärt wäre. Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Tihange wurde eine scharfe Bombe aus dem 1. Weltkrieg gefunden. Mitarbeiter des Kontrollraums des Atomkraftwerks wurden wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften vom Dienst suspendiert. Alle 1000 Mitarbeiter des Atomkraftwerks mussten wegen mangelhafter Sicherheitskultur zu Nachschulungen.

Im Atomkraftwerk Doel gab es 2014 einen Sabotageakt von Mitarbeitern, der zur Notabschaltung eines Blocks führte und bis heute nicht aufgeklärt ist. Besonders problematisch sind darüber hinaus zwei politische Entscheidungen:

  • Die belgische Regierung hat den Weiterbetrieb der Blöcke Tihange 2 und Doel 3 genehmigt, obwohl die Druckbehälter dieser Reaktoren tausende Risse aufweisen. Die Ursache der Risse ist umstritten. Selbst Fachleute, die die Atomkraft befürworten, halten den Weiterbetrieb dieser Reaktoren für unverantwortlich. Der Druckbehälter ist das entscheidende Bauteil zum Schutz der Umgebung vor Radioaktivität. 
  • 2014 beschloss die belgische Regierung die ältesten Reaktorblöcke Tihange 1 und Doel 1 und 2 (Inbetriebnahme 1975) weiter bis zum Jahr 2025 weiter zu betreiben. Ursprünglich war geplant diese 2015 stillzulegen. Diese Reaktorblöcke gehören zu den ältesten in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken Europas.

Gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke Tihange und Doel gibt es nicht nur in Belgien, sondern auch in den Niederlanden und Deutschland erheblichen Widerstand. Im Falle eines Unfalls würde austretende Radioaktivität bei den vorherrschenden Westwindlagen nach Deutschland und in die Niederlande getragen.

 Die StädteRegion Aachen hat deshalb beschlossen, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um gegen Tihange vorzugehen. Mit Unterstützung von Kanzleien in Brüssel und Düsseldorf wird die StädteRegion Aachen

  • Informationsansprüche nach europäischem Recht gegen die belgischen Behörden geltend machen und ggf. einklagen,
  • die Europäische Kommission auffordern, dass diese ihre Informationsansprüche gegen Belgien geltend macht,
  • eine Klage beim belgischen Staatsrat gegen die (Wieder-) Zulassung der Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 einreichen,
  • zusätzlich eine Klage vor einem ordentlichen Gericht in Brüssel einreichen mit dem Ziel, die Stilllegung von Tihange 2 zu erreichen.

Bereits zahlreiche deutsche und niederländische Kreise, Städte und Gemeinden haben erklärt, die Klagen der StädteRegion Aachen zu unterstützen. Neben den Kreisen Euskirchen, Neuss, Düren und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm schließen sich auch Städte des Ruhrgebiets dem Rechtsstreit an: Erst im Februar wurde ein entsprechender Antrag im Rat der Stadt Gelsenkirchen einstimmig beschlossen.

 Am 17.03.2016 wird der Rat unserer Stadt entscheiden, ob er die StädteRegion Aachen unterstützt.

 



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